Dossiers/Ueberwachungscausa

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Europäische Politiker haben es heutzutage leicht. Ganz egal, welche Enthüllungen Edward Snowden noch machen wird, eines steht fest: Die Amerikaner sind schuld! Der jüngste Bericht des Europäischen Parlamentes (1) bestätigt das auf eindrucksvolle Weise. Auf 35 Seiten wird etwas festgestellt, was längst alle wissen. Nur das Europäische Parlament, das wusste es noch nicht. Jetzt weiß man auch dort: Die NSA hat uns alle ausspioniert. Böse NSA.


Ich weiß, dass ich nichts weiß


Jetzt weiß man auch in Brüssel, dass das einen Einfluss auf fundamentale Bürgerrechte haben könnte und möglicherweise auch in den vielen transatlantischen Kooperationen wie beispielsweise das "Safe Harbour" Abkommen oder aktueller, in den Verhandlungen zum Transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP), angesprochen werden sollte. Aber ob das auch passieren wird? Man weiß es nicht.


Don't ask - don't tell


Was man aber weiß ist, dass europäische Dienste für die NSA den Boten gespielt haben. Während beispielsweise der französische Präsident Hollande den jüngsten Lauschangriff heftig kritisiert, arbeitet Frankreich unter dem Codenamen "Lustre" längst mit amerikanischen und britischen Geheimdiensten zusammen (2). Aus Spanien wurden die Daten von 60,5 Millionen Telefongesprächen sowie weitere persönliche Daten aus Internet- und E-Mail-Diensten, Facebook und Twitter bei der NSA gefunden. Wenn der spanische Regierungschef Mariano Rajoy dazu erklärt, ihm liege kein Beweis für eine US-Spionage in Spanien vor, dann kann das nur eines bedeuten: Der spanische Geheimdienst muss wohl die Spionage betrieben haben. Nicht die Amerikaner.


Big Business is watching you


Das Programm "Mastering the Internet" des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) wiederum sorgt dafür, dass kein Datenpaket, das irgendwo in der Welt herumgeschickt wird, verloren geht (4). Es macht Firmen wie Verizon Business, Codename: Dacron, British Telecommunications ("Remedy"), Vodafone Cable ("Gerontic"), Global Crossing ("Pinnage"), Level 3 ("Little"), Viatel ("Vitreous") und Interoute ("Streetcar") zu verlässlichen Partnern, wenn es darum geht, auf die Bits und Bytes der Bürgerinnen und Bürger aufzupassen. Damit nicht genug, auch die Kabel, die an diesen Firmen eigentlich vorbeigehen müssten, werden angezapft (5).


Der Schlaf der Gerechten


Alles kein Thema für unsere Parlamentarier. Dort stellt man erst mal in aller Ruhe fest, dass das Böse auf der anderen Seite des Atlantik sitzen muss. Dass möglicherweise auch Handlungsbedarf in der Union besteht, beunruhigt erst mal keinen. Dass im eigenen Rechtsraum gegen elementare Bürgerrechte verstoßen wird, veranlasst keinen EU Parlamentarier dazu, eine Tatsachenfeststellung einzufordern. Denn das könnte ja plötzlich das eigene Land treffen. Die eigene Fraktion. Den eigenen Rechtsraum. Man könnte plötzlich in der Verantwortung stehen und man müsste sich möglicherweise peinliche Fragen stellen lassen.


Auch das umstrittene SWIFT Abkommen bleibt erst mal aufrecht (6). Noch im November 2013 konnte die EU Kommission keinerlei Missbrauch des Swift-Abkommens durch US-Stellen feststellen. Die von Snowden veröffentlichten Dokumente, die klarstellen dass SWIFT ein Ziel der NSA ist, konnten dem nichts anhaben.


Quellen:

(1) Draft Report des europäischen Parlamentes

(2) Frankreich liefert Informationen an britische und US-Geheimdienste

(3) US-Spionage: NSA hortete auch in Spanien millionenfach Verbindungsdaten

(4) Snowden enthüllt Namen der spähenden Telekomfirmen

(5) Briten schöpfen deutsches Internet ab

(6) EU: Swift-Abkommen bleibt trotz NSA-Affäre aufrecht

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