Erstellung einer Pressemeldung

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Go-next.png Siehe auch: Einführung in die Pressearbeit



Auf dieser Seite findet ihr Informationen zur Erstellung von Pressemitteilungen der Piratenpartei. Diese werden gemeinsam in Piratenpads erarbeitet und dann von den Pressesprechern redigiert und versendet. Jeder Pirat wird gebeten, konkrete Vorschläge für Pressemitteilungen zu aktuellen Geschehnissen einzubringen.

Inhaltsverzeichnis

Input für Pressemitteilungen und Arbeitsprozess in der SG Presse

  • Jeder Pirat kann der SG Presse Vorschläge für Pressemitteilungen über die Inputvorlage zukommen lassen
  • Als Beispiel haben wir eine Muster-Pressemitteilung
  • Die SG Presse bewertet den Input auf Relevanz, Aktualität und Übereinstimmung mit dem Grundsatzprogramm
  • Die SG Presse erstellt in Teamarbeit die Pressemitteilung
  • Die SG Lektorat überprüft die PM auf Rechtschreibung, Grammatik, Stil und logische Schlüssigkeit
  • Die für die PMs bestimmten Freigabeberechtigten überprüfen die Qualität und geben die Meldung für den Versand frei.


Wann wird aus meiner Meldung eine Nachricht: Nachrichtenwerte & Selektionspraxis

  • Eine Pressemitteilung wird von einem Redakteur übernommen, wenn sie tatsächlich eine berichtenswerte Nachricht für seine Leser, Hörer, Zuschauer enthält/darstellt
  • Damit eine Meldung eine berichtenswerte Nachricht wird/enthält, muss sie eine mittlere Zahl von Nachrichtenwerten erfüllen/enthalten.


Nachrichtenwerte

  • In der Literatur werden meist folgende 10 Nachrichtenfaktoren angeführt. Enthält eine Nachricht einen oder mehr dieser Nachrichtenwerte, wird sie für den Leser interessant (für Piraten weniger relevante Faktoren sind in Klammern gesetzt):
    • Nähe zum Empfänger
    • Aktualität
    • Prominenz
    • Fortschritt einer Entwicklung
    • Human Interest / Öffentliches Interesse
    • Folgenschwere
    • Dramatik
    • Konflikt
    • (Kuriosität)
    • (Sex/Liebe)


  • Für die journalistische Praxis relevanter bezeichnet z.B. Peter Zschunke ("Agenturjournalistmus. Nachrichtenschreiben im Sekundentakt". UVK Medien) die Unterteilung von Staab (Die folgenden Beispiele sind allesamt dem Buch von Peter Zschunke, S. 103 - 110 entnommen).
  1. Räumliche Nähe zum Empfänger (International: Räumliche Nähe zu Deutschland). Bsp.: "Bratislava (Reuter) - Die Zahl der Arbeitslosen in der Slowakei hat sich im Juli 1993 im Vergleich zum Vormonat um 21.290 auf insgesamt 339.372 erhöht. Wie das Arbeitsministerium am Freitag in Bratislava mitteilte, stieg die Erwerbslosenquote mit 13,3 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regierung im Jahr 1989"
  2. Politische Nähe zum Empfänger(land) (Ähnlichkeit der Herrschaftssysteme, Außen- oder Verteidigungspolitik). Bsp. "Mogadischu (Reuters) - Der scheidende Kommandeur der italienischen UNO-Truppen in Somalia hat seine Kritik am Einsatz der Vereinten Nationen am Freitag erneuert. Ihre Friedenstruppe habe sich in einen Guerillakrieg mit den Anhängern des Milizchefs Mohamed Farah Aidid hineinziehen lassen, sagte General Bruno Loi.". Hier spielt die politische Nähe Deutschlands zu Italien (beide EU- und NATO-Mitglieder) die entscheidende Rolle. In beiden Ländern wurde damals diskutiert, ob die Beteiligung am UNO-Einsatz noch sinnvoll ist.
  3. Wirtschaftliche Nähe zum Empfänger(land) (Ähnlichkeit der Wirtschaftssysteme und Intensität der Wirtschaftsbeziehungen). Bsp. "Washington (Reuter) - Die Lagerbestände der US-Unternehmen sind im Juni den neunten Monat in Folge gestiegen. Wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte,, erhöhten sich die Bestände wie im Vormonat um 0,2 Prozent." Durch die starke wirtschaftliche Beziehung zu den USA sind die Lagerbestände der USA eine Nachricht. Die Lagerbestände Norwegens wären es dagegen nicht.
  4. Kulturelle Nähe zum Empfänger(land) (Ähnlichkeit von Sprache, Kultur, Religion). Bsp. "Wien (Reuter) - Österreichs Regierung sucht für die noch für 1993 geplante Reduktion ihres derzeit 36.5 % starken Anteils an der Flughafen AG einen Berater. Dazu werde ein internationaler Wettbewerb veranstaltet, an dem ausgewählte Banken teilnehmen sollten, teilte das Finanzministerium am Freitag mit." Die Suche nach einem Berater kann wegen gleicher Sprache auch für Bewerber aus Deutschland interessant sein.
  5. Status der Ereignisnation (wirtschaftliche, politische und militärische Bedeutung). Bsp. "Moskau (Reuter) - Russland hat der Ukraine vorgeworfen, in der Frage der Abrüstung von Atomwaffen bewusst Fakten verfälscht und Zusagen gebrochen zu haben. Ein Sprecher des russischen Außenministeriums sagte am Freitag, es sei falsch, dass die 46 in der Ukraine stationierten SS-24-Raketen vom START-1-Abkommen ausgenommen seien." Status Russlands als größte und bedeutendste der ehemaligen Sowjetrepubliken ist hier entscheidend. Die Position von Moldawien zu Abrüstungsfragen wäre dagegen von geringerem Nachrichtenwert
  6. Status der Ereignisregion ("Elite-Nation") (wirtschaftliche und politische Bedeutung von Regionen). Bsp. "Frankfurt (Reuter) Im ersten von 150 anhängigen Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts im hessischen Hochtaunuskreis hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Freitag Anklage erhoben....". Die Bedeutung Frankfurts als Standort ist entscheidend. Bei Auslandsberichterstattung: New York relevanter als Walla-Walla im Nordwesten der USA.
  7. Institutioneller Einfluss (politische, wirtschaftliche, kulturelle Macht einer Institution). Bsp. "Bonn (Reuter) - Der CDU-Vorsitzende, Helmut Kohl, und der SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping werden sich Anfang nächster Woche zu einem Gespräch treffen. Scharping erklärte am Donnerstag abend in Bonn,...bei dem Gespräch solle unter anderem über die Nachfolge für den abberufenen Generalbundesanwalt Alexander von Stahl (FDP) gesprochen werden. Die SPD muss dieser Besetzung zustimmen." Hier ist die Bedeutung der Parteien, für die Kohl und Scharping stellvertretend stehen, entscheidend.
  8. Persönlicher Einfluss ("Elite-Person") (politische, wirtschaftliche, kulturelle Macht einer Person; unabhängig von der dahinter stehenden Organisation). Bsp. "Neu-Delhi (AP) - Indische Umweltschützer haben erneut damit gedroht, sich aus Protest gegen ein gewaltiges Staudammprojekt am Fluss Narmada umzubringen. Die Vorsitzende einer Initiative zur Rettung des Narmada, Medha Patkar, kündigte am Freitag an..." Aktivistin übt massiven persönlichen Einfluss aus, obwohl sie nicht von anerkannter Institution getragen wird oder prominent ist.
  9. Prominenz ("Elite-Person"): (Bekanntheit einer Person unabhängig von ihrem Einfluss). Bsp. "Berlin (Reuter) - Der Kunstkritiker Heiner Bastian darf nach einem Urteil des Berliner Kammergerichts weiter behaupten, Werke der Wiener Sammlung von Joseph Beuys seien gefälscht. Bastian setze sich damit in der Berufung gegen den Wiener Kunsthändler Julius Hummel durch,...". Die Bekanntheit von Joseph Beuys ist hier entscheidend. Wäre es um Kunstwerke weniger prominenter Künstler gegangen, wäre es keine Nachricht geworden.
  10. Personalisierung (Die Bedeutung von Personen für den berichteten Sachverhalt). Bsp. "München (Reuter) - Ein Münchner Stadtstreicher darf sich an seinem gewohnten Schlafplatz unter einer Isar-Brücke nicht häuslich einrichten. Das zuständige Verwaltungsgericht versagte dem 32jährigen am Freitag, unter der Brücke Mobiliar aufzustellen..." Die Gerichtsentscheidung ist für größere Öffentlichkeit interessant und von sozialpolitischer Bedeutung. Im Mittelpunkt steht aber eine Person, über die das Problem geschildert wird.
  11. Kontroverse (Kontrastierung von Meinungsunterschieden). Bsp. "München (Reuter) - Der Streit um die Nebeneinkünfte des CSU-Kandidaten für das Münchner Oberbürgermeisteramt, Umweltminister Peter Gauweiler, aus dessen früherer Anwaltstätigkeit geht weiter. Die bayerische und die Münchener SPD nannten am Freitag die Auskünfte des Betroffenen 'völlig unbefriedigend'..."
  12. Aggression (Androhung oder Anwendung von Gewalt mit dem Ziel der Schädigung). Bsp. "Jerusalem (Reuter) - Bei Unruhen im besetzten Westjordanland haben israelische Soldaten jungen Palästinenser erschossen. ..." Als Störung der angestrebten gesellschaftlichen oder internationalen Ordnung ist der Tod des Palästinensers Nachrichtenfaktor. Wäre er bei einem Verkehrsunfall gestorben, hätte das kaum einen Nachrichtenwert.
  13. Demonstration (Kollektive Darstellung von Zielen). Bsp. "Frankfurt (Reuter) - Notfalls mit einem Streik will die Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden nach Angaben eines Sprechers gegen die von der Bundesregierung geplante Kürzung des Schlechtwettergeldes vorgehen ..."
  14. Überraschung (Ausmaß der Erwartungswidrigkeit von Ereignissen; "Mann-beißt-Hund-Meldungen"). Bsp. "Paris (Reuter) - Wegen des spektakulären Verstosses gegen das Sonntags-Ladenöffnungsverbot muss der britische Schallplatten- und Bücherkonzern Virgin Stores eine weit geringere Buße zahlen als von Gewerkschaften gefordert...."
  15. Reichweite (Anzahl der Personen, die an Ereignis teilnehmen oder betroffen). Bsp. "Bonn (Reuter) - Die Autofahrer müssen sich auf drastisch höhere Prämien in der Kaskoversicherung einstellen..."
  16. Tatsächlicher Nutzen/Erfolg (Die positiven Auswirkungen eines Ereignisses). Bsp. "Rom (Reuter) - Die italienische Polizei hat nach einem Bericht des staatlichen Fernsehen am Freitag einen der meistgesuchten mutmaßlichen Mafia-Bosse des Landes festgenommen...." Der Erfolg der Polizei lässt die Erwartung verbinden, dass organisierte Kriminalität geschwächt wird.
  17. Möglicher Nutzen / Erfolg. Bsp. "Damaskus / Jerusalem (Reuter) - In die Friedensbemühungen für den Nahen Osten ist wieder Bewegung geraten. ...". Die wage Aussicht auf Fortschritte in Richtung Frieden ist hier Nachrichtenwert.
  18. Tatsächlicher Schaden / Misserfolg. Bsp. "Nakhon Ratchasima (Reuter) - In Thailand sind beim Einsturz eines Hotels am Freitag nach Polizeiangaben vermutlich mehr als 100 Menschen getötet worden...."
  19. Möglicher Schaden / Misserfolg. Bsp. "Jakarta (Reuter) - Indonesien droht nach Ansicht von Experten durch die Erderwärmung und das Abschmelzen der Polkappen und der Gletscher eine Katastrophe...."
  20. Zusammenhang mit Themen (Eine inhaltliche Verbindung zwischen den berichteten und bereits eingeführten Themen). Bsp. "Bonn (Reuter) - Das Bundesverteidigungsministerium hat seine ursprüngliche Darstellung korrigiert, im deutschen Lager des somalischen Einsatzortes Belet Huen habe ein Soldat beim versehentlichen Auslösen eines Schusses nur das Zeltdach durchschossen. Die eingeleiteten Untersuchungen hätten ergeben, dass de Schuss wohl durch ein Nebenzelt gegangen ist." Die Information wird nur zur Nachricht wegen des Zusammenhangs mit dem innenpolitisch umstrittenen Somalia-Einsatz der Bundeswehr; wäre es in Deutschland passiert, wäre es keine Nachricht geworden.
  21. Etablierung der Themen (Kontinuität; Beachtungszeitraum, der Themen eingeräumt wird). Eine neue Nachricht zu einem Thema, über das täglich berichtet wird, muss nicht mehr die Beachtungsschwelle überschreiten
  22. Faktizität (Ereignischarakter). Ereignis in Zeit und Raum, das konkret beobachtbar und sichtbare Auswirkungen hat


Human Interest Faktoren

  • Neben Nachrichtenwerten spielen bei der Nachrichtenauswahl auch Human Interest Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle, so:
    • Kuriosität, Ungewöhnliches
    • Kampf, Konflikt
    • Mord
    • Spass
    • Sex, Liebe, Romantik
    • Wissenschaft, Fortschritt
    • Spannung, Ungewissheit, Abenteuer, Risiko
    • Sympathie
    • Tragödie
    • Alter
    • Tiere


Weitere Faktoren

  • Neben Nachrichtenwerten und Human Interest Faktoren gibt es noch weitere Faktoren, die die Nachrichtenauswahl durch Redakteure beeinflussen, und zwar:
  • Zeitpunkt: Sommerloch, Jahreszeit, Uhrzeit am Tag
  • Thema belegt
  • Bekanntheitsgrad
  • Plausibilität
  • Wellen / Trends


Das GUN-Prinzip

  • Meine Meldung wird zur Nachricht, wenn es folgende Kriterien erfüllt:
    • G = Gesprächswert: Ereignis, über das man spricht, diskutiert, sich ärgert oder freut
    • U = Unterhaltung: Ereignis hat Bezug zur Lebenswelt des Leser, amüsiert oder verblüfft
    • N = Neuigkeit: Desto unerwarteter das Ereignis, desto eher ist es eine Nachricht


Inhalt einer Pressemitteilung

Eine PM muss kurz und knackig die wichtigsten Fakten zu einem Thema auf den Punkt bringen. Das bedeutet auch, dass eine Pressemitteilung sachlich und konkret sein muss.


Die W-Fragen

Eine Pressemitteilung muss die 5 W-Fragen beantworten (die ersten vier bereits im ERSTEN Satz):

  • Um was geht es?
  • Wer ist Handelnder, daran beteiligt oder steht damit im Zusammenhang?
  • Wann hat oder wird sich was ereignen?
  • Wo hat oder wird sich was ereignen?
  • Warum hat oder wird sich was ereignen?
  • Wie hat oder wird sich was ereignen?
  • "Welche Quelle?"
  • "Welche Folgen?"

Klassischerweise werden mindestens die ersten vier Fragen im ersten Satz (Lead-Satz) - meist in der Reihenfolge "Wer macht was, wann, wo?" - abgearbeitet. Je nachdem kann es sich anbieten, das "Wie und Warum" ebenfalls bereits kurz anzureißen oder auf den Rest der PM zu verteilen. Auf jeden Fall sollten alle W-Fragen in den ersten 8 Zeilen (dem Vorspann) beantwortet sein.


Choreographie und Aufbau: Das Nachrichtendreieck

Am besten orientiert man sich an der Muster-Pressemitteilung und beachtet Folgendes:

Grundregel: Das Wichtigste zuerst - das Unwichtige zum Schluss! (umgekehrte Pyramide)

Vor dem Schreiben müssen die vorhandenen Informationen in ihre Einzelteile zerlegt und unter Zuhilfenahme der W-Fragen nach Wichtigkeit oder Attraktivität geordnet werden. Dabei sollte die wichtigste W-Frage zuerst beantwortet werden und demnach am Anfang der Pressemitteilung stehen. Im ersten Absatz sollten möglichst alle relevanten W-Fragen abgehandelt sein.

Dieser Aufbau folgt den üblichen Lesegewohnheiten (der Leser möchte schnell wissen, ob es sich lohnt, weiterzulesen). Gekürzt wird immer von hinten. Was hinten steht ist also weniger wichtig und wird ggf. herausgestrichen.


Aufbau:

  1. Leadsatz: Beantwortung der W-Fragen (Ereignis, Fazit, Beschluss)
  2. Quelle: ausführliche Info, Daten, Fakten, Quelle, Zitate
  3. Nähere Umstände: weitere Angaben, Argumente, Beispiele
  4. Einzelheiten
  5. Vorgeschichte
  6. Details ...
  7. "Abbinder": Angaben zum Versender (Kontakt, Informationen zur Organisation)


Die Schlagzeile / Überschrift: Aus der Masse hervorheben oder ab in den Papierkorb

Die Schlagzeile (Titel, Headline, Überschrift) erfüllt zwei Aufgaben:

  1. Die Schlagzeile weckt das Interesse an einer Information. Sie verleitet zum Lesen. Die Schlagzeile ist das Verkaufsargument einer Meldung.
  2. Die Schlagzeile fasst die wichtigste Information einer Meldung als Kernaussage zusammen.
  3. ACHTUNG! Nicht den Leadsatz vorwegnehmen

Die Schlagzeile sollte ein eigenständiges Textelement sein, statt den ersten Satz eines Fließtextes zu bilden.

Wenn es sich anbietet, kann man auch mehrere Schlagzeilen zur Auswahl mitliefern. Das kann für den Redakteur eine echte Arbeitserleichterung sein, denn in der Regel will er nicht die gleiche Schlagzeile haben wie alle anderen Medien, die die PM aufnehmen. Daher wird er mindestens den Titel umformulieren, und sei es noch so leicht.


Der Lead-Satz / Der Vorspann

(vgl. Zschunke, "Agenturjournalismus")

  • Der Leadsatz sollte ursprünglich alle 5 W-Fragen plus weitere W's "Wie?" und "Welche quelle?" möglichst im ersten Satz beantworten. Heute sollten die W-Fragen im ersten Absatz beantwortet werden, die wichtigsten zuerst.
  • Warum? Wie? Wann? Welche Quelle? meist nicht so zentral. Wo? oft implizit enthalten -> Bleiben das "Wer?" und "Was?", die in den meisten Meldungen im ersten Satz stehen
  • Anordnung der einzelnen Informationsbestandteile im Lead nach Bedeutungsschwere; determiniert durch Gesetzmässigkeitn der Syntax
  • Beispiel für mögliche Leadsätze in einer Meldung (aus P. Zschunke, "Agenturjournalismus")
    • Ereignis: Am 27.6.1993 führten die USA einen überraschenden Militärschlag auf die irakische Geheimdienstzentrale. Vorausgegangen waren amerikanische Geheimdienstinformationen, wonach Irak einen Mordanschlag gegen früheren Us-Präsidenten Bush plant
    • Nachrichtenkern: Die USA haben die irakische Geheimdienstzentrale angegriffen
    • Version 1: Das "Wer" (Handelnder) im Vordergrund: "Die USA haben in der Nacht zum Sonntag die irakische Geheimdienstzentrale in Bagdad mit 23 Marschflugkörpern angegriffen."
    • Version 2: Das "Was" (Objekt) im Vordergrund: "Die irakische Geheimdienstzentrale in Bagdad ist in der Nacht zum Sonntag von den USA mit 23 Marschflugkörpern angegriffen worden."
    • Version 3: Das "Wann" im Vordergrund: "In der Nacht zum Sonntag haben die USA die irakische Geheimdienstzentrale in Bagdad mit 23 Marschflugkörpern angegriffen." -> denkbar für Morgennachrichten im Rundfunk; alternativ zum Anknüpfen an frühere Ereignisse: "Gut zwei Jahre nach dem Ende des Golfkriegs zur Befreiung Kuwaits haben die USA wieder zu einem militärischen Schlag gegen Bagdad ausgeholt."
    • Version 4: Das "Wo" im Vordergrund: "In Bagdad haben die USA in der Nacht zum Sonntag die irakische Geheimdienstzentrale mit 23 Marschflugkörpern angegriffen." -> wirkt an dieser stelle gekünstelt und überflüssig; genaue Ortsangaben betonen dokumentarischen Charakter; bei Unglücksmeldungen ohne handelndes Subjekt durchaus sinnvoll
    • Version 5: Das "Wie" an erster Stelle: "Mit 23 Marschflugkörpern haben die USA in der Nacht zum Sonntag die irakische Geheimdienstzentrale in Bagdad angegriffen" -> hier nicht unbedingt nötig, betont aber präzise Information und Intensität des Angriffs
    • Version 6: Das ""Warum" im Vordergrund: Bsp. "Als vergeltung für einen geplanten mordanschlag gegen den früheren Präsidenten George Bush haben die US-Streitkräfte in der Nacht zum Sonntag überraschend Ziele in der irakischen Hauptstadt Bagdad angegriffen." (afp); alternativ "Mit einem nächtlichen Überraschungsangriff auf due irakische Geheimdienstzentrale in Bagdad haben die USA am Sonntag früh auf ein angebliches Mordkomplott gegen den früheren Präsidenten George Bush reagiert" (Reuter) -> beide varianten aber gefährliches Fahrwasser, da die offizielle begründung nicht stimmen muss; besser daher rein zeitlicher bezug: "Nach Hinweisen auf ein Mordkomplott gegen den früheren Präsidenten George Bush haben die USA..."
  • Stilistische Fragen zum Lead-Satz
    • Hauptsatz, maximal ein angehängter Nebensatz! Keine Einschübe, die das Verb nach hinten drängen
    • In der regel im Perfekt, nur bei andauernden oder zukünftigen Ereignissen Präsens oder Futur
    • Muss interessant und lebendig, aber gleichzeitig verständlich formuliert sein: Leser müssen Kerninformationen mit ihrem Wissen vernetzen können
    • Bei unbekannten Orten: Besser grössere Regionen (Norditalien statt Provinzstadt Udine)
    • Bei unbekannten personen diese eher über ihre für die Nachricht entscheidenden Eigenschaft einführen ("führender Vertreter der chinesischen Demokratiebwegung" statt Xu Wenli)
    • Bei vertretern offizieller Institutionen statt Einzelperson - pars pro toto - grössere Einheit nehmen ("China und die Vereinigten Staaten wollen...)
    • Zusammenfassung mehrerer Handlungsträger unter einem Oberbegriff
    • Rhythmus und Satzmelodie müssen stimmen; Menschen glauben rhythmisch gebauten Sätzen eher als holprigen
  • Dachlead
    • Möglichkeit, den Leadsatz vom Besonderen und Konkreten ins Allgemeine zu heben, in dem den eigentlichen Leadsatz ein allgemeinerer vorangestellt wird. Bsp. "London (AP). Auf den Falkland-Inseln schweigen seit Dienstag nach die Waffen. Nach Angaben der britischen Regierung ergaben sich die argentinischen Truppen um 21.00 Uhr Ortszeit..."
    • nützlich bei Zusammenfassungen, wenn mehrere im Nachrichtenwert gleichwertige Ereignisse zusammengebracht werden sollen. Bsp. "Hamburg (dpa) In der Debatte um die Neuregelung des Abtreibungsparagraphen 218 sind am Wochenende verstärkt Forderungen nach einer wirkungsvolleren Unterstützung der betroffenen Frauen laut geworden."


Vom Lead zum Hintergrund

  • Nach Leadsatz Vorspann zu Ende schreiben und restliche W-Fragen beantworten
  • Zweiter Absatz knüpft an Leadsatz an und bringt weitere Informationen; hier eignet sich auch Zitat gut
  • Vorsichtig mit Redundanzen: Manchmal Wiederholungen für Verständlichkeit und für weitere Details erforderlich, dann aber andere synonyme Formulierungen wählen
  • Einzelne Absätze geschickt miteinander verbinden
  • Am Ende einen Hintergrund zur Einordnung; insbesondere bei komplizierten Sachverhalten, die nur Experten verstehen


Textlänge: Weniger als eine DIN-A4-Seite

Zitat eines Ressortleiters: „Mit der Länge einer Pressemitteilung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Papierkorb landet.“

Pressemitteilungen sollen deshalb kürzer als eine DIN-A4-Seite sein


Checkliste: Stil und Schreibweise

Klare Textstruktur

  • Grobstruktur vorab erstellen und Informationen sortieren (s. Nachrichtendreieck)
  • Der Text ist klar, sachlich, informativ
  • Wertungen kommen in einem Zitat.
  • Zitate sollten nicht länger als 1, 2 Sätze sein.
  • Die Fakten sollten nachvollziehbar sein
  • Keine Gedankensprünge! Keine thematischen Brüche!
  • Leseführung durch Überschriften, Überleitungen, Absätze, Aufzählungen etc.
  • Logische Verknüpfung der Sätze innerhalb eines Absatzes
  • Möglichst keine Adjektive verwenden
  • Der Rhythmus muss stimmen: Text laut vorlesen

Anregung der Vorstellungskraft

  • Beispiele nennen
  • Bildliche Vergleiche zum Illustrieren von Zahlen
  • Aktionsreiche Verben
  • Gebrauch von Hilfsverben als Vollverben vermeiden

Satzbau

  • Kurze Sätze!
  • Einfacher Satzbau (Bis 13 Wörter sehr leicht verständlich, 14 - 18 Wörter leicht verständlich)
  • Keine Schachtelsätze!
  • Jeder Satz nur ein Gedanke
  • Bei langen Sätzen Subjekt an den Anfang
  • Häufungen vermeiden: Relativsätze, dass-Sätze, Präpositionen und Substantive nicht häufen
  • Keine Erläuterungen in Klammern!
  • Aktiv statt Passiv! Passivformulierungen verschleiern den Handelnden
  • Positive Sätze
  • Keine doppelte Verneinung
  • Bilder zur Beschreibung einsetzen
  • Verbalisieren

Einfache Wörter

  • Geläufige Wörter verwenden
  • Kurze Wörter
  • Keine Fremdwörter
  • Bei Substantiven:
    • Keine oder wenige Komposita: zusammengesetzte Substantive zerlegen
    • Notwendige Fachwörter erläutern
    • Oberbegriffe vermeiden ("Hühner und Enten" statt "Geflügel")
    • Blähwörter vermeiden ("Problem" statt "Problematik")
    • Worte mit -ung vermeiden
    • Synonyme finden
    • Metaphern möglichst nicht verwenden
    • Verschleierungen vermeiden (z.B. "Gebührenanpassung")
    • Substantivierte Verben vermeiden
    • Präzise Ausdrücke finden ("Sturm" statt "starker Wind")
  • Bei Verben:
    • Streckenverben reduzieren ("erwägen" statt "in Erwägung ziehen")
    • Nichtssagende Verben vermeiden (z.B. erfolgen, erwirken, bewirken)
    • sparsame Verwendung von Verben auf "-ieren"
  • Formulierungen:
    • Überflüssige Wörter vermeiden (auch: "im Bereich", "im Rahmen")
    • Füll- und Flickwörter sparsam verwenden
    • Tautologien vermeiden ("fundamentale Grundlage", "integrierter Bestandteil")
    • Keine umständlichen Formulierungen
    • Auf das Wesentliche beschränken
    • Überflüssige Wörter streichen

Schreibweisen

  • Keine optischen Hervorhebungen im Text
  • Informationsquelle im Text
  • Zitatgeber / Personen:
  • Vorname, Zuname und Organisation/Partei
  • in Folge Vorname weglassen
  • Qualifikation/ Position beim ersten Mal nennen
  • Titel ausschreiben (Professor Stauber, Nicht: Prof. Dr. hab. Stauber)
  • Kein Herr / Frau! (Margarete Müller, Nicht: Frau Müller)
  • Abkürzungen vermeiden
  • etc., usw., u.a., u.v.m. NICHT verwenden
  • Voller Name von Organisationen (Institut für Konsumforschung (IfK), NICHT IfK)
  • "Prozent", NICHT "%"
  • "Dollar", "Euro", NICHT "$", "€"
  • Trademarks NICHT verwenden
  • "233 Euro", NICHT "233,- Euro"
  • "zum Teil", NICHT "z.T."
  • "Millionen", NICHT "Mio."
  • Zahlen bis zwölf ausschreiben (außer Tel., Hausnummern, Kosten)
  • Zeitangaben:
    • Termine mit Wochentag und ohne Jahreszahl
    • Monat ausschreiben
    • Erst die Zeitangabe, dann der Ort
  • nichts in Klammern (Ausnahme Abkürzungen und Alter)
  • Zahlenangaben umschreiben, z.B. ein Viertel der Kosten

No Gos

  • Boulevard-Stil
  • Fach-Chinesisch
  • Behörden-Deutsch
  • Superlative, Selbstlob
  • Werbecharakter
  • Passiver Schreibstil
  • Bevormundung

Häufige "Fehler" unserer abstrakten Sprache

  • "Ungeachtet der Tatsache, dass" -> Besser: "obwohl"
  • "In Hinsicht auf" -> Besser: "hinsichtlich"
  • "In Konsequenz von" -> Besser "weil"
  • "In Übereinstimmung mit" -> Besser "bei"
  • "Im Falle, dass" -> Besser: "falls"
  • "Nach diesen Grundsätzen" -> Besser "so"
  • "In der Natur von" -> Besser "so"
  • "Aufgrund der Tatsache, dass" -> Besser "weil"
  • "Im Hinblick auf" -> Besser: "zu"
  • "Auf der Grundlage von" -> Besser "von"
  • "Zur gegenwärtigen Zeit" -> Besser "jetzt"
  • "Zu diesem Zeitpunkt" -> Besser "jetzt"
  • "Zum frühestmöglichen Zeitpunkt" -> Besser "bald"
  • "In der Nähe von" -> Besser "nahe"
  • "Die Empfehlung machen, dass" -> Besser "empfehlend"
  • "Nach dem Abschluss von" -> Besser "nach"
  • "Während des Verlaufs von" -> Besser "während"
  • "Bis zu Zeiten" -> Besser "bis"
  • "Reduzieren auf ein Minimum" -> Besser "reduzieren"
  • "In der breiten Mehrheit von" -> Besser "meistens"
  • "Den Glauben haben, dass" -> Besser "glauben"
  • "Zum Zweck von" -> Besser "für, zu"
  • "Auf der Basis von" -> Besser "aufgrund"
  • "Trotz der Tatsache, dass" -> Besser "weil"
  • "In Beziehung zu" -> Besser "über"
  • "Im voraus" -> Besser "vor"
  • "Unter Berücksichtigung von" -> Besser "bedenkend"


Form und Versand

Form:

  • Form im klassischen Ausdruck (auf E-Mail anpassen)
  • Max 1 DIN A4-Seite (max. 1000 Zeichen)
  • Schriftgröße 12
  • Flattersatz
  • 1,5 facher Zeilenabstand
  • großzügige Ränder
  • gut lesbar im Ausdruck
  • Datum
  • Absender /Logo klar erkennbaer
  • Ansprechpartner inkl Telefon
  • Erreichbarkeit

Versand

  • Bei E-Mail nur Plain-Text, kein HTML (dennoch auf Formatierung achten)
  • Wichtige Kontakte fragen, wie sie Meldung erhalten wollen (Mail, Post, Fax)


Weblinks

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